Annick Colette-Frémond

Annick Colette-Frémond

Eine Familientradition in der fünften Generation seit 1850

Eine Familientradition in der fünften Generation seit 1850

Das weiße Gold der Normandie: Elfenbein

Das weiße Gold der Normandie: Elfenbein

Das weiße Gold der Normandie: Elfenbein (2)

Das weiße Gold der Normandie: Elfenbein (2)

Das weiße Gold der Normandie

Elfenbeinschnitzerei war über Jahrhunderte eine der aufwendigsten und bestbezahlten Kunsthandwerke in Europa. Königshäuser, geltungsbewusste Adelsfamilien und reiche Kaufleute mit Sinn für die schönen Künste beschäftigten eine Armada an Elfenbeinschnitzern, die aus den Stoßzähnen von Narwalen, Walrössern und natürlich Elefanten Miniaturkunstwerke erschaffen haben. Vor allem im 17. Jahrhundert war Dieppe – damals eine der wohlhabensten Hafenstädte Frankreichs – das Zentrum dieser aufwendigen Kunst. Allein in dieser Stadt in der Normandie waren zur Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV mehr als 300 Künstler mit diesem Handwerk betraut.

Doch mit der Zeit ist die Popularität seit dem Rokoko mehr und mehr geschwunden, und so wie die Tiere, die für das Elfenbein sterben mussten, ist der Beruf des Elfenbeinschnitzers fast ausgestorben. Annick Colette-Frémond führt als erste Frau in diesem Metier und als eine der drei letzten Künstler, die dieses Gewerbe in Frankreich noch betreiben, diese Tradition des "weißen Goldes" fort. In einem kleinen Atelier in der Altstadt von Dieppe gibt sie uns einen Einblick in ihre Werkstatt: dort wird noch in traditioneller Art das Material bearbeitet und detailreich verziert. Hierbei handelt es sich um "altes" Elfenbein, teilweise werden sogar russische Mammutstoßzähne verwendet (Elfenbein-Handel und Nutzung ist mit der Washingtoner Konvention von 1976 zum Schutz der Tiere verboten).

Für Madame Colette-Frémond ist Elfenbeinschnitzerei nicht nur eine Familientradition in der fünften Generation seit 1850, es ist auch eine einmalige Möglichkeit des künstlerischen Ausdrucks und das Bewusstsein, eine aussterbende Kunst weiterzuführen: “Meine 15-jährige Tochter möchte auch gerne Elfenbeinschnitzerin werden, dabei unterstütze ich sie selbstverständlich!“ Es sind hauptsächlich Auftragsarbeiten, die sie aus aller Welt erreichen – meist per Fotovorlage. Aber auch Restaurationen sind an der Tagesordnung. Ein Austausch unter Kollegen ist aufgrund der geringen Zahl eher selten – aber Frau Colette-Frémond steht mit dem Elfenbeinmuseum von Erbach/Odenwald, dem Zentrum der deutschen Elfenbein-Schnitzerei, in Kontakt.

Wer sich für historische Vorlagen und den Ruhm der alten Tage der Elfenbein-Gilde interessiert, sollte einen Besuch in der Museums-Burg von Dieppe unbedingt einplanen – und der Blick über die Stadt und das Meer sind atemberaubend!

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